(von Thorsten Pracht, Aachener Zeitung am 15.10.2025)
Der 19-jährige Stolberger Fabio Rauer hat mit seinem Audi R8 GT3 die italienische Tourenwagen-Meisterschaft gewonnen.
Vom 24. bis 26. Oktober steht für Fabio Rauer die nächste Reise nach Italien an. Im Autodromo Nazionale di Monza findet das achte und letzte Rennwochenende der italienischen GT3-Meisterschaft statt. Die Langstreckenwertung hat der 19-jährige Fabio Rauer aus Stolberg bereits gewonnen, und auf der legendären Strecke in Monza ist auch der Titel in der Sprintwertung noch möglich.
Fabio Rauer, 19 Jahre alt, ist ein freundlicher junger Mann aus Stolberg-Büsbach. Nach dem Abitur am Inda-Gymnasium im vergangenen Jahr absolviert er derzeit eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Und nebenbei kann er ziemlich schnell Auto fahren – so schnell, dass er zwischen Mai und Oktober an acht Wochenenden nach Italien reist, um am Steuer eines Audi R8 des Teams Tresor Attempto Racing Rennen zu fahren – und das sehr erfolgreich.
Mit seinen Teamkollegen Riccardo Cazzaniga und Rocco Mazzola gewann er Mitte September durch einen zweiten Platz in Mugello die Gesamtwertung der italienischen Langstreckenmeisterschaft der GT3. Solche Langstreckenrennen dauern drei Stunden, jeder Fahrer absolviert dabei zweimal 30 Minuten.
Zur Erklärung: GT steht für Gran Turismo. In diesen Rennen werden seriennahe Sportwagen eingesetzt. In der GT3-Kategorie haben die Modelle der Hersteller wie Mercedes, BMW, Audi, Porsche oder Lamborghini allerdings kaum noch etwas mit den Serienfahrzeugen zu tun. Auch die Fahrzeuge der bekannten DTM-Serie gehören zur GT3. „An GT3-Autos findet man viel weniger Teile aus dem normalen Straßenauto als in der GT4. Die Autos sind leichter, haben mehr Leistung und mehr Aerodynamik“, erklärt Rauer. Sein Audi bringt es auf 585 PS, beschleunigt in unter drei Sekunden von null auf 100 km/h und schafft eine Spitzengeschwindigkeit von rund 280 km/h. Oder, wie Rauer es ausdrückt: „Das Auto ist der Hammer.“
Angefangen hat seine Motorsportkarriere auf der Kartbahn in Eupen. Vater Peter, der seinen Sohn bis heute zu allen Rennen begleitet, nahm den damals Siebenjährigen vor zwölf Jahren zum ersten Mal mit. Gleich sein erstes Kartrennen gewann Fabio Rauer. Spätestens ab dem Jahr 2018 wurde die Sache ernster: Rauer wurde Teil der ADAC Kart Academy, einer Rennserie, in der schon spätere Stars wie Sebastian Vettel, Nico Hülkenberg oder Pascal Wehrlein Erfahrungen sammelten.
Aus dem Kartsport ging es 2022 in den Automobilsport – im Tourenwagen Junior Cup. Mit 16 Jahren startete Rauer dort, obwohl er noch keinen Führerschein für den normalen Straßenverkehr besaß. Das hielt ihn nicht davon ab, vorne mitzufahren: Acht Podestplätze und ein Sieg standen am Ende der Saison zu Buche. „Das war ein sehr lehrreiches Jahr“, sagt Rauer rückblickend. „Danach war klar, dass es weitergehen musste.“
Und das tat es auch: Im Jahr seines 17. Geburtstags wechselte er in die GT4. Über die deutsche GT4-Meisterschaft ging es in die European Series. Dort erhielt Rauer einen Platz im Nachwuchsprogramm von Aston Martin und lernte von den erfahrenen Werksfahrern. In der renommierten Rennserie fuhr der Stolberger regelmäßig vorne mit – die Eintrittskarte in die höchste Klasse des GT-Motorsports, die GT3.
In der GT3-Serie werden alle Wagen der verschiedenen Hersteller auf gleiche Leistungsparameter wie Leistung, Gewicht und Fahrhöhe gebracht. Dadurch kommt es noch stärker auf den Fahrer an – sowohl auf der Strecke als auch bei der Abstimmung des Fahrzeugs. „Wir arbeiten sehr detailliert, ein Millimeter Unterschied bei der Fahrhöhe macht sich spürbar in der Rundenzeit bemerkbar“, sagt Rauer. Sein Feedback an den Renningenieur spielt daher eine große Rolle.
Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Monza wird sein Audi knapp 280 km/h erreichen. „Das ist überhaupt nicht vergleichbar mit einem normalen Auto, auch nicht mit einem sehr sportlichen“, sagt Rauer, der mit dem Gewinn der Langstreckenwertung den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere feierte. In der Sprintwertung besteht ein Team nur aus zwei Fahrern, die Rennen sind kürzer und intensiver. „Das Racing ist extrem geil, es geht viel enger zu als im Formelsport. Bei uns können sich die Autos auch mal berühren, ohne kaputtzugehen“, erklärt Rauer. „Der Wettkampf, das Gefühl des Gewinnens – das macht schon süchtig.“ Er beschreibt sich als Fahrer, der die Ruhe bewahrt, aber wenn es darauf ankommt, auch aggressiv fahren kann.
Ein festes Einkommen bringt das Rennfahren dem 19-Jährigen nicht. Je nach Erfolg gibt es Preisgelder, über die er sich freut. „Aber das Fahren ist mehr als ein Hobby – es ist meine Leidenschaft“, sagt Rauer. Sein langfristiges Ziel: die Leidenschaft zum Beruf machen, also Werksfahrer werden. Dafür opfert er viele seiner Urlaubstage und hält sich mit Kraft- und Ausdauertraining fit.
Rauer möchte in der GT3 bleiben. Sein Traum wäre ein Platz in der DTM, auch die World Challenge Europe würde ihn reizen. Den Formelsport hat er abgehakt – dort müssen Fahrer enorme Summen mitbringen, um sich in die Teams einzukaufen. Auch Rauer ist immer auf der Suche nach Unterstützern. Neben Sponsoren braucht es das nötige Quäntchen Glück, um in der nächsten Saison wieder einen Platz im Cockpit zu bekommen. „Man muss zur richtigen Zeit im richtigen Team sein und die richtigen Leute treffen“, sagt der junge Fahrer. Er geht die Sache entspannt an, denn bisher ging es in seiner Karriere nur in eine Richtung: nach oben.
